rentyourfoerster Rudolf Aloys Niehaus

Der Totengräber

A close up of a tree trunk with a green background.

„Der Totengräber-Käfer, auch bekannt als Nicrophorus oder Aaskäfer, spielt eine herausragende Rolle in unseren Wäldern.“


- Rudolf Aloys Niehaus 2024 -

Totengräber gehören zur Gattung Nicrophorus, nach mittlerweile ungültiger Nomenklatur auch als Necrophorus bekannt. Sie gehören zu den bekanntesten Nutzern von Aas kleinerer Tiere. Es handelt sich dabei um Käfer (Coleoptera) der Familie der Aaskäfer (Silphidae).

Die Totengräber benötigen das Aas vor allem für die Versorgung ihrer Brut. Sie leben räuberisch vor allem von Fliegen- und Mückenlarven. Unsere größte heimische Art (Nicrophorus germanicus) jagt allerdings auch größere Käfer, darunter den bekannten Mistkäfer (Geotrupes spec.). Neben der räuberischen Ernährung wird auch von den Adulten Käfern auch frisches Aas gefressen.

Der Totengräber


Totengräber graben und schieben,

mit unglaublicher Kraft.


Bringen Totes in die Erde,

in die tiefe der Dunkelheit.


Totengräber sind kleine Helden,

in der großen Natur.


Totengräber spielen ihre Rolle gut,

im Kreislauf der Natur.


- Rudolf Aloys Niehaus 2024 -

Die Fortpflanzungszeit der Totengräber beginnt, je nach Art bereits im Mai bis in den August hinein. Aus unserer Sicht nicht gerade romantisch, werden beide Geschlechter der Tiere vom Aasgeruch kleiner Tierleichen angelockt und finden sich entsprechend gemeinsam dort ein. Zunächst beginnt das angekommene Männchen damit, den Kadaver oberflächlich einzugraben. Danach beginnen sie mit einer Verhaltensweise, die als „Sterzeln“ bezeichnet wird. Dabei wird das Abdomen in die Höhe gestreckt und ab bewegt. Währenddessen wird das normalerweise verdeckte letzte Abdominalsegment gezeigt. Die sterzelnden Männchen sind für Artgenossen ebenso attraktiv wie das Aas selbst. Zu Kämpfen kommt es, wenn mehrere Käfer gleichzeitig am Kadaver eintreffen. Der unterlegene Käfer muss das Feld räumen, Weibchen hingegen sind willkommen. Gemeinsam unterhöhlt das Totengräberpärchen den Kadaver, sodass dieser einsinkt. Danach wird ein schräger Gang ins Erdreich angelegt und der Kadaver hinterhergezogen. Durch dieses Hineinzwängen in den Gang und das stetige Ziehen der Käfer wird die Leiche mehr und mehr abgerundet. Je nach Art vergraben die Tiere das Aas bis zu sieben Zentimeter tief, bei Nicrophorus vespilloides beispielsweise wird es nur locker unter die Laubschicht gebracht. Die Eiablage erfolgt in ein oder mehrere Gänge in die Erde, niemals direkt am Aas. Danach frisst das Weibchen ein Loch in die Aaskugel und markiert das Aas durch flüssige Exkremente. Ein Team von Wissenschaftlern hat darüber hinaus herausgefunden, dass der Totengräber-Käfer Nicrophorus vespilloides die Nahrungsgrundlage für seine Jungen dadurch schützt, indem er sie mit nützlichen Mikroorganismen aus seinem eigenen Darm impft (Quelle: Max-Planck Gesellschaft).

Aas


Aas liegt still,

in der Gegend herum,

als Zeichen der Vergänglichkeit.


Doch in der Natur,

ist nichts verloren,

denn aus dem Tod,

wird neues Leben geboren.


Der Totengräber, mit seiner Art,

sorgt für Sauberkeit in der Natur.

Dort wo sich sonst die Seuchen verbreiten,

hilft er, die Natur im Gleichgewicht zu halten.


- Rudolf Aloys Niehaus 2024 -

Die geschlüpften Käferlarven sammeln sich in dem von der Mutter geschaffenen Loch im Kadaver und vergrößern dieses. Erst nach der zweiten Häutung fressen sich die Larven ins Innere der Kugel hinein. Nach der ersten Häutung werden die Larven dabei von ihrer Mutter gefüttert, da sie aufgrund ihrer noch weichen Mundwerkzeuge nicht in der Lage sind, selbst Nahrung aufzunehmen. Erst gegen Ende der Larvalentwicklung verlassen die Larven das Aas und verteilen sich in einem Umkreis von etwa 30 Zentimetern rund um die Bruthöhle und verpuppen sich. Eingeleitet wird dies durch den Bau der Puppenwiege, die durch stundenlanges Rotieren der Larve um die eigene Achse entsteht. Die Arten, die bereits früh im Jahr mit der Fortpflanzung beginnen, beenden bereits im gleichen Jahr ihre Entwicklung und überwintern als adulte Tiere. Arten mit später Fortpflanzung überwintern als Puppen und vollenden ihre Entwicklung im folgenden Jahr. Bei allen Arten dauert es nach dem Schlüpfen der Imagines etwa 14 Tage bis zur Geschlechtsreife.

„Der Totengräber schaut nicht weg, wenn Aas in Wald und Feld herumliegt. Mit vereinten Kräften wird der Kadaver bestattet, als Aufzuchtstation für den Nachwuchs recycelt. Die Zersetzung wird ausgebremst, dafür sorgen Konservierungstechniken, und geniale Kooperationen.“


- Rudolf Aloys Niehaus 2024 -

Erwachsene Totengräber reisen übrigens selten ohne Passagiere. Verschiedene Milbenarten nutzen die Käfer als willkommenes Transportmittel. Das ist für die kleinen Spinnentiere besonders praktisch, da auch sie ihre Eier auf Kadavern ablegen. Die Nachkommen der Milbe wachsen auf dem Aas so schnell heran, dass sie schon zur Weiterreise bereit sind, wenn die Käfereltern die Brutstätte wieder verlassen. Aufgrund ihres geringen Gewichts fallen die Mitreisenden den Käfern nicht groß zur Last. Auf dem Kadaver sieht es allerdings anders aus: Die Milben konkurrieren mit den Käferlarven um die Nahrungsquelle und fressen vereinzelt sogar die Eier der Totengräber. Mit Schmeißfliegen kommen weitere Widersacher ins Spiel: auch sie ernähren sich von Kadavern und nutzen diese als Brutstätte für ihre Eier. Sie sind besonders ernstzunehmende Konkurrenten, da sie frisches Aas wesentlich schneller aufspüren als Totengräber und ihre Eier in kürzester Zeit darauf ablegen. Die Eier von Schmeißfliegen stehen allerdings auch auf der Speisekarte von Milben – und so profitieren Schwarzhörnige Totengräber (Nicrophorus vespilloides) unter bestimmten Umständen sogar von der Anwesenheit von Milben der Art Poecilochirus carabi, wie eine aktuelle Studie der Wissenschaftler*innen Syuan-Jyun Sun und Rebecca Kilner eindrucksvoll zeigt (Quelle: https://elifesciences.org/articles/55649)

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Ihr Förster
Rudolf Aloys Niehaus
von Athanasia Siskou 6. Februar 2025
„ Das ewige Eis hat ihn einst konserviert, wiederentdeckt offenbart er uns manch ein Geheimnis. Eines der beeindruckendsten, ist ein Pulver des Birkenporling, dessen heilende Wirkung, mancherorts längst vergessen ist.“ - Rudolf Aloys Niehaus 2025 -
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„Weihnachten mit dem Keinachtsbaum® ist eine echte Alternative zu herkömmlichen Bäumen und macht viel Freude, ob Alleine oder im Kreise der Familie!“ - Rudolf Aloys Niehaus 2024 -
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„ Der BvFF (Bundesverband Freiberuflicher Forstsachverständiger e.V.) ist mehr als nur ein Angebot sich um die Belange des Waldes und seiner Besitzarten zu kümmern. Der BvFF ist die parteipolitisch und konfessionell unabhängige Standesvertretung der freiberuflich tätigen Forstsachverständigen und Freien Förster.“ - Rudolf Aloys Niehaus 2024 -
5. August 2024
„Sie verbessern die Wasserqualität und dienen manchen Tieren als Nahrung und wirkt gegen Algen. Leider sammeln sich in ihr auch Schadstoffe an.“ - Rudolf Aloys Niehaus 2024 -
10. Juli 2024
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„Als sehr beliebte Fege- und Schlagpflanze für den Rehbock, lenkt sie von den Nutzpflanzen ab!“ - Rudolf Aloys Niehaus 2024 -
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23. Mai 2024
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6. Mai 2024
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13. März 2024
„ Kleine Käfer am Boden, unscheinbar und still, sind wertvoller als Diamanten, auch wenn sie kaum Jemand haben will.“ - Rudolf Aloys Niehaus 2024 –
28. Februar 2024
„Das Deutsche Forst Service Zertifikat (DFSZ) ist der Schlüssel für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Garant für Nachhaltigkeit und Zukunft.“ - Rudolf Aloys Niehaus 2024 –
20. Februar 2024
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„Wir bauen darauf, wir laufen darauf, doch wie oft denken wir daran? Dass wir den Boden, den wir nutzen, auch schützen?“ -Rudolf Aloys Niehaus 2024-
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„Ein kleiner Hund mit großem Herz, besitzt Format und Schläue, Langeweile Fehlanzeige !“ -Rudolf Aloys Niehaus 2024-
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